Montreux oder Willisau?

Was hat diese Frage im Zusammenhang mit der Therme zu tun? Das werden sich viele Fragen und vielen wird vielleicht schnell klar, dass diese beiden Orte einen gemeinsamen Nenner haben – ein Jazzfestival.

Im Gegensatz zu Willisau wird in Montreux aber schon seit langem nicht mehr nur Jazz gespielt. Montreux hat die Tore für viele Musikstile geöffnet. Es gibt eine Raggea-Night, eine Baja-Night und viele andere Publikumsmagnete, welche ein bunt gemischtes Publikum zur Folge haben. Dies ist für Jazz-Anhänger, welche in jeder anderen Stilrichtung nur etwas Minderwertiges sehen, vielleicht nur schwer zu ertragen. Diese bunte Mischung ist aber, neben der spektakulären Lage am Lac Leman, der zentrale Erfolgsfaktor des Festivals.

Die Zürcher haben aus dieser gelungenen Mischung ihre Lehren gezogen und haben dieses Prinzip gleich im Namen ihres Festivals manifestiert: "JazzNoJazz". Auch hier treten neben grossen Jazzern aus aller Welt z.B. Soulstimmen aus Deutschland, Funker aus Chicago oder Sterne der kapverdischen Inseln auf.

Der Entscheid welcher nun in Vals ansteht, kann man mit dieser Symbolik gut illustrieren. Auf der einen Seite haben wir die Möglichkeit alternativlos auf Peter Zumthor zu setzen. Wie beim Jazz sind auch die Qualitäten eines Peter Zumthor unumstritten. Aber ist es für das Dorf langfristig ein Gewinn nur auf einen Namen – einen Musikstil – zu setzen oder kann sich der Erfolg von Vals durch ein Öffnen für Neues nicht gar potenzieren?

Die Therme ist eine touristische Erfolgsgeschichte. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Die Aufenthaltsdauer in Vals ist merklich zurück gegangen und die Zielgruppe welche uns diesen Erfolg beschert hat, gehört nicht zu der Personengruppe welche die Infrastruktur eines Dachberges z.B. in genügendem Umfang nutzen wird. Da wird auch die Gadastatt von Peter Zumthor nicht viel ändern. Man könnte dann wahrscheinlich besser Schneeschuhe als Skier vermieten, damit die Architektur-Studenten beim Suchen der besten Perspektive nicht im Schnee versinken. Wenn man, wie im Marketing üblich, eine Analyse dieser Zielgruppe machen würde, dann würde man schnell zu diesem Ergebnis gelangen.

Ein Architektur-Wettbewerb stellt da eine grosse Chance dar. Kein grosser Koch kocht alleine nur mit Salz oder Pfeffer. Er kocht mit Salz und Pfeffer und mit mehr oder weniger anderen Gewürzen. Oder nehmen wir die japanische Küche, welche den Geschmack versucht möglichst nicht zu verfälschen. Auch da kommt Ginger, Wasabe und Fischsauce als Kontrast zum Einsatz. Wir haben bemerkt, dass Salz unserem Dorf gut getan hat. Aber um eine wirkliche Köstlichkeit zu zaubern, welche auf Dauer nicht verleidet, müssen wir nun noch andere Gewürze hinzu nehmen – und dabei denke ich nun wirklich nicht an Aromat. Es gibt viele grossartige Architekten, welche der Therme einen würdigen Rahmen geben und erst eine wirkliche Explosion für die Geschmacksorgane zulassen. Man hätte auch in Montreux sagen können: "Miles Davis und kein anderer". Man hat dies nicht gemacht. Der Erfolg gibt Claude Nobs recht und weil Miles Davis auch ein grosser Künstler war, ist er auch so immer wieder gerne nach Montreux gekommen.

Der langfristige kommerzielle Erfolg und die Sicherung unseres Skigebietes benötigt weitere Zielgruppen und neue Angebote. Denn aktuell ist es doch so, dass die Touristen nach Vals kommen, Baden gehen, übernachten, um am nächsten Tag wieder abzureisen.

Die Frage ist, wollen wir wie Willisau langfristig in einer selbstauferlegten Tristesse versauern? Wollen wir, dass nur eine sehr kleine Elite an Kunst- oder Kulturschaffenden langfristig an unserem Dorf interessiert ist? Können wir mit dieser Zielgruppe die Sportbahnen in 5 Jahren uns noch leisten? Müssen wir uns nicht auch anderen Einflüssen auf hohem Niveau öffnen, auch wenn dies einige halt als minderwertigen Kommerz ansehen?

Es ist klar, dass auch wir uns in Vals keinen Massentourismus wünschen. Montreux ist ja auch kein Openair Frauenfeld. Dies würde Vals nicht gut bekommen. Es braucht nun aber dringend wieder andere Gewürze. Denn es hat sich irgendwie ein Fado eingeschlichen und ich wünsche mir wieder mehr Beats.

Auch wenn wir nun einen anderen Weg einschlagen und Peter Zumthor sich in einem Architektur-Wettbewerb vielleicht nicht durchsetzen wird können, wird der Name Peter Zumthor für immer mit unserem Dorf in Verbindung gebracht werden. So wie es der schon einige Male genannte Miles Davis mit Montreux ist. Das kann uns niemand nehmen. Alleine mit Zumthor werden wir aber nicht weitere Impulse bekommen, welche den Erfolg potenzieren können. Der scheinbar sichere Weg wird uns keine neuen Chancen eröffnen.

Wie man aus meinem Beitrag vielleicht herausliest, geht es mir bei diesem Entscheid nicht um nackte Zahlen. Es ist für mich eine Frage der Kultur, eine Frage der kulturellen Offenheit und der Überzeugung, dass eine Monokultur langfristig nie nachhaltig vorteilhaft ist.

Daher sage ich: MONTREUX!

Martin Loretz (36)

PS: Hätte Claude Nobs sein Festival nicht geöffnet, dann hätten wir auf einen der grössten Rocksongs aller Zeiten verzichten müssen – Deep Purple – Smoke on the water! Die hätten in ihrem Song nicht von Funky Claude, nicht von Franz Zappa und den Rolling Stones gesungen. Ich liebe Funk, ich liebe Rock, ich liebe Crossover, ich liebe Jazz in allen Varianten ob Acid, Nu oder Miles Davis und ich liebe Fado – ich bin ein alter Hip Hop und mag auch kein Aromat ;)

Kompliment

Super Vergleich

Schöner Artikel!! Wirklich

Schöner Artikel!! Wirklich

selten

dämmlicher und konfuser mit essen? und musik? vergleichender beitrag.

vielleicht vergleichen sie vals noch mit der entstehungsgeschichte,
wenn peter zumthor damals adam und eva ein schönes haus gebaut hätte,
wären sie nie auf die idee gekommen den apfel zu stehlen...

ja klar, den namen peter zumthor haben "wir" schon,
und jetzt brauchen wir ihn nicht mehr.
super mentalität !

Also für mich ware dieser

Also für mich ware dieser Text eine wahre Freude. Viele gute Vergleiche und mit viel Witz geschrieben.

Keine Erfahrung

Martin Loretz wirft hier mit Thesen, Theorien und Hypothesen rum, die mich schaudern, und dies ohne Kenntnisse der hohen Materie der Betriebswietschaft. Wir werden in den kimmenden Jahren sehen, welche "neuen Zielgruppen" nach Vals kommen...übrigens: der Rückgang der Hotelübernachtungen ist ein konjunkturelles Problem, das haben alle Destinationen und Vals steht da noch am Besten da! Der teure CHF und Reuessionsängste sind die Gründe dafür. Lasst euch bicht vin irgendwelchen Scharfmachern und Möchtegern bzw. Selbsernannte "ökonomen" verleiten.

Sand in die Augen gestreut

Der Vergleich ist peinlich. Typisch Martin Loretz.

 

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